5 DINGE, DIE ZAR NIKOLAUS II. AM 01. JULI 1914 BESCHÄFTIGT HABEN

Nikolaus II., Zar von Russland, 1912: Public domain, via Wikimedia Commons

Zar Nikolaus II.

Mittwoch, 01. Juli 1914 |

Das Attentat von Sarajevo ist drei Tage her. Was ist an diesem Datum bei Zar Nikolaus II. von Russland, zweieinhalb Tausend Kilometer nordöstlich vom Tatort, los? Hier sind fünf Dinge, die den Zaren aller Russen an diesem Tag beschäftigt haben könnten.

1. Zwanzig Jahre Zar Nikolaus II.

Die Russische Zarenfamilie im Portraitfoto von 1914: (sitzend von links nach rechts) Maria (*1899), Kaiserin Alexandra Fjodorowna ("Sunny"), Zar Nikolaus II. ("Nicky"), Anastasia (*1901); (vorne sitzend) Zarewitsch Alexei (*1904), (stehend von links nach rechts), Olga (*1895) and Tatiana (*1897).

Die Russische Zarenfamilie im Portraitfoto von 1914: (sitzend von links nach rechts) Maria (*1899), Kaiserin Alexandra Fjodorowna (“Sunny”), Zar Nikolaus II. (“Nicky”), Anastasia (*1901); (vorne sitzend) Zarewitsch Alexei (*1904), (stehend von links nach rechts), Olga (*1895) and Tatiana (*1897).

1914 war ein Jubiläumsjahr für Nikolaus II.: Seit 20 Jahren war der Vater von vier Töchtern und einem Sohn – von Familie und Freunden “Nicky” genannt – Zar aller Russen und herrschte von seiner Hauptstadt Sankt Petersburg aus über die größte zusammenhängende Landmasse der Erde. Doch Anlass zum Feiern hatte der sechsundvierzigjährige Monarch mit dem prächtigen Vollbart am 01. Juli 1914 vermutlich kaum.

2. Immer Ärger mit Österreich-Ungarn

Karte von Europa im Jahr 1914

Karte von Europa im Jahr 1914

Drei Tage zuvor war Franz Ferdinand, der Thronfolger der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, in Sarajevo einem Attentat zum Opfer gefallen. Diese Tatsache war für Zar Nikolaus II. vermutlich kaum ein Grund sich die Augen auszuweinen, denn Österreich-Ungarn und das Russische Zarenreich hatten wegen unterschiedlicher Interessen auf dem Balkan seit Jahren ernste Meinungsverschiedenheiten. Aber gefreut hat sich der Russische Zar über die Nachrichten aus Sarajevo vermutlich auch nicht, denn die Hintergründe von Franz Ferdinands Ermordung sorgten für eine Verschärfung des Konflikts mit Österreich-Ungarn (siehe auch im Beitrag zum 29. Juni 1914 “Presse nach dem Attentat von Sarajevo”). Als “Behüter aller slawischen Völker” bestand für Zar Nikolaus II. unmittelbar nach dem Vorfall in Sarajevo dringender Handlungsbedarf.

3. 120 Millionen Schuss unterwegs nach Serbien

König Peter I. von Serbien und Kronprinz Alexander um 1914

König Peter I. von Serbien (zu Pferd) und Kronprinz Alexander (zu Fuß, vorne) um 1914

Zar Nikolaus II. hatte gerade erst am Tag vor dem 01. Juli 1914 seinen Generalstab dazu überredet, “120.000 Dreiliniengewehre und 120 Millionen Schuss an Serbien”[1] zu entsenden. Durch diese Maßnahme wollte er das befreundete Königreich im Südosten Europas für eine mögliche Auseinandersetzung mit Österreich-Ungarn wappnen. Im Königreich Serbien regierte seit 1903 Peter I., nachdem der vorherige König in einem Militärputsch abgesetzt und mit samt seiner Familie hingerichtet worden war.

4. Heiratspläne für Tatiana

Großfürstin Tatiana Nikolaevna 1914

Großfürstin Tatiana Nikolaevna 1914

Anders als sein angeheirateter Cousin, der Deutsche Kaiser Wilhelm II., war Nikolaus II. nach dem Attentat von Sarajevo ganz und gar nicht wütend auf Serbien. Im Gegenteil! Die Beziehungen zwischen dem Russischen Kaiserreich und seinem “kleinen Bruder” waren hervorragend – nicht zuletzt, weil man sich über die orthodoxe Kirche religiös sehr nahe stand. Die gute Stimmung ging so weit, dass der Serbische König Peter I. seinem Schirmherren Nikolaus II. gerne auch verwandtschaftlich ein wenig näher gekommen wäre. Anfang des Jahres schrieb der fast 70-jährige Peter I. einen Brief an den Zaren, in dem er sich Tatiana, die zweitälteste Tochter von Nikolaus II., als Ehefrau für seinen Sohn Prinz Alexander wünschte. Die Heiratsverhandlungen – aus denen nichts werden sollte – waren vermutlich auch noch am 01. Juli 1914 aktuell und wurden erst durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs abgebrochen.

5. Herzliches Beileid an Franz Joseph I.

Kaiser Franz Joseph I. von Österreich-Ungarn 1914

Kaiser Franz Joseph I. von Österreich-Ungarn 1914

Auch wenn man nicht beste Freunde war, so mussten doch die aristokratischen Umgangsformen gewahrt werden. Am 01. Juli 1914 – nur einen Tag, nachdem russische Gewehre und Munition nach Serbien geschickt worden waren – sendete Zar Nikolaus II. daher deutlich friedlichere Grüße an einen anderen Adressaten. Franz Joseph I. von Österreich erhielt an diesem Tag ein Telegramm von seinem fast vierzig Jahre jüngeren Amtskollegen. Darin teilte Zar Nikolaus II. sein Beileid zur Ermordung von Erzherzog Franz Ferdinand und Herzogin Sophie von Hohenberg mit.

FUSSNOTEN:
[1] McMEEKIN, SEAN: Juli 1914; Europa Verlag GmbH & Co. KG, Berlin - München, 2014. S. 89

QUELLEN:
McMEEKIN, SEAN: Juli 1914; Europa Verlag GmbH & Co. KG, Berlin - München, 2014
VOLZ, Andreas: DER TECKBOTE, KIRCHEIMER ZEITUNG - Wahnwitziges Attentat” mit großer Wirkung. URL [http://www.teckbote.de/nachrichten/stadt-kreis_artikel,-„Wahnwitziges-Attentat“-mit-grosser-Wirkung-_arid,83671.html]

BILDNACHWEIS(E) - s.a. Credits beim Hovern über jeweiligem Bild:
PUBLIC DOMAIN, VIA WIKIMEDIA COMMONS: "Nikolaus II., Zar von Russland, 1912", "Die Russische Zarenfamilie im Portraitfoto von 1914: (...)", "Karte von Europa im Jahr 1914”, "König Peter I. von Serbien (zu Pferd) und Kronprinz Alexander (zu Fuß, vorne) um 1914", "Großfürstin Tatiana Nikolaevna 1914", "Kaiser Franz Joseph I. von Österreich-Ungarn 1914"

 

Hinterlasse eine Antwort

Basic HTML is allowed. Your email address will not be published.

Subscribe to this comment feed via RSS