SASONOWS BERÜHMTES ZITAT ZUR JULIKRISE

Der russische Außenminister Sergei Dmitrievich Sasonow hatte am 30. Juli 1914 einen entscheidenden Termin beim russischen Zaren im Schloss Peterhof.

Freitag, 24. Juli 1914 |

Von wegen Happy Friday! Die schlechten Nachrichten vom Vorabend verarbeitet der russische Außenminister in seinem berühmten Zitat zur Julikrise.

Der Anstoß für Sasonows berühmtes Zitat zur Julikrise

Textauszug aus dem österreichisch-ungarischen Ultimatum an Serbien - deutsche Übersetzung (Original in französischer Sprache)

Textauszug aus dem österreichisch-ungarischen Ultimatum an Serbien – deutsche Übersetzung (Original in französischer Sprache)

Am Freitag, den 24. Juli 1914 waren es nur noch wenige Tage bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs. Ein entscheidendes Ereignis auf dem Weg dorthin, hatte am Vortag stattgefunden: Der österreichisch-ungarische Botschafter Wladimir Giesl war am späten Nachmittag zu einem Treffen ins serbische Außenministerium im Zentrum Belgrads gegangen, um ein Ultimatum an das serbische Königreich zu übergeben. Innerhalb von 48 Stunden – so verlangte die Doppelmonarchie in ihrem vom österreichisch-ungarischen Ministerrat vorbereiteten Text – sollte Serbien damit beginnen, die Drahtzieher des Attentats von Sarajevo zu verhaften, sämtliche antiösterreichische Propaganda zu unterbinden und eine entsprechende öffentliche Erklärung abzugeben – andernfalls drohe Krieg. Autsch! Die Bedingungen des Ultimatums waren bewußt hart gewählt – Österreich-Ungarn rechnete gar nicht damit, dass Serbien sie erfüllen würde. Viel eher spekulierte der kriesengeschüttelte Vielvölkerstaat darauf durch einen Krieg mit dem benachbarten Königreich Serbien, seine Probleme auf dem Balkan ein und für alle Mal lösen und den eigenen Untergang aufhalten zu können. Der stellvertretende serbische Regierungschef, Dr. Lazar Paču, war über den Inhalt des Schreibens, das ihm Giesl da überreicht hatte wenig erfreut gewesen. Sofort hatte er dafür gesorgt, dass die Nachricht über die Bedingungen des “absolut inakzeptablen Ultimatums”[1] auch zum Bündnispartner Russland, 2.000 Kilometer weiter nordöstlich nach St. Petersburg, gelangte.

“C’est la guerre Européenne!”

Sasonow an seinem Schreibtisch

Sasonow an seinem Schreibtisch

“Das bedeutet den Krieg in Europa!” Mit diesen berühmt gewordenen Worten begann der russische Außenminister Sergei Dmitrievich Sasonow am 24. Juli 1914 seinen Arbeitstag im Außenministerium in St. Petersburg, nachdem er am Vorabend den genauen Inhalt des österreichisch-ungarischen Ultimatums an Serbien erfahren hatte. Dass sein Kollege in Wien, der österreichisch-ungarische Außenminister Berchtold, insgeheim ein solches Ultimatum vorbereitete, hatte Sasonow zwar bereits ein paar Tage zuvor von Geheimdiensten und Diplomaten gehört. Nun lagen aber alle Karten auf dem Tisch! Als Bündnispartner Serbiens, würde das Russische Kaiserreich nicht tatenlos zusehen, wie Österreich-Ungarn einen Krieg gegen seinen “kleinen Bruder” führte. Da Russland über die Verträge der Triple Entente wiederum militärisch mit Frankreich und dem British Empire verbündet war, deutete alles auf eine großflächige Ausdehnung des Konflikts zwischen Österreich-Ungarn und Serbien hin, der sich seit dem Attentat von Sarajevo knapp vier Wochen zuvor so kritisch zugespitzt hatte.

Awkward: Auftritt des österreichisch-ungarischen Botschafters

Der österreichisch-ungarische Botschafter in St. Petersburg: Friedrich von Szápáry

Der österreichisch-ungarische Botschafter in St. Petersburg: Friedrich von Szápáry

Nachdem Sasonow seine Grundsatzerklärung zum “Krieg in Europa” vor seinem Generalstabschef Schilling abgegeben hatte, empfing er den österreichisch-ungarischen Botschafter Friedrich von Szápáry in seinem Büro im russischen Außenministerium von St. Petersburg. Szápáry hatte seinen Besuch bereits am Vorabend angekündigt, um dem russischen Außenminister das Ultimatum persönlich vorzustellen. Sasonow blieb dabei “erstaunlich ruhig”, lehnte aber einige Punkte, die Österreich-Ungarn von Serbien verlangte entschieden ab. Auch das Argument Szápárys, dass die Forderungen Österreich-Ungarns “im Einklang mit allen zivilisierten Nationen” stünden, wies der 53-jährige russische Außenminister streng zurück, indem er Szápáry vorwarf, dass er und sein Land “Europa in Brand” setzen würden. “Sie werden sehen, welchen Eindruck [das Ultimatum] in Paris, London und vielleicht noch anderswo hinterlassen wird, wo man es als ungerechtfertigte Aggression betrachtet”, fügte Sasonow hinzu. Szápáry wartete an diesem Tag vergeblich auf ein “Zeichen des Entgegenkommens” vom russischen Außenminister. Der Standpunkt Rußlands zum österreichisch-ungarischen Ultimatum an Serbien war durch die Worte Sasonows in kurzen, scharfen Worten beschrieben worden: “Das bedeutet den Krieg in Europa!”[2]

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FUSSNOTEN:
[1] McMEEKIN, SEAN: Juli 1914, S. 227; Europa Verlag GmbH & Co. KG, Berlin - München, 2014
[2] McMEEKIN, SEAN: Juli 1914, S. 229; Europa Verlag GmbH & Co. KG, Berlin - München, 2014
QUELLEN: 
McMEEKIN, SEAN: Juli 1914; Europa Verlag GmbH & Co. KG, Berlin - München, 2014
ÖSTERREICHISCHES STAATSARCHIV: Schreiben des k.u.k. Außenministers Berchtold an den österreichisch-ungarischen Gesandten in Belgrad, Wladimir von Giesl, mit dem Textentwurf der am 23.7.1914 an die serbische Regierung zu übergebenden befristeten Demarche („Ultimatum“); deutsche Übersetzung. URL [http://wk1.staatsarchiv.at/diplomatie-zwischen-krieg-und-frieden/oesterreich-ungarns-ultimatum-an-serbien-1914/#/?a=artefactgroup8]. Stand 22.07.1914
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ÖSTERREICHISCHES STAATSARCHIV: "Textauszug aus dem österreichisch-ungarischen Ultimatum an Serbien - deutsche Übersetzung (Original in französischer Sprache)"

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